09. 2008 - Holland

Freitag, 27. Juni 2008

4. Freitag - 20. Juni 2008

Holwerd – deutsche Grenze – 135 km
Die Nacht im Campingwagen war kühl, die Morgentoilette sehr erfrischend, insbesondere durch die Morgenkühle auf dem Weg zum/vom Waschtrakt. Es ist nochmal kühler geworden, viele Wolken, nur etwas Sonne, aber weiterhin Rückenwind – ach Holland wie meinst du es gut mit mir.
Nach einem ordentlichen Frühstück im Hotel für stolze EUR 13,00 geht es kurz nach 8.00 Uhr los Richtung deutsche Grenze.
Das Rad rollt, die Schafe blöken, die Kühe muhen, die Pferde wiehern, die Aardappelen (Kartoffeln) sagen nix, ich jubiliere innerlich. In Lauwersoog erwischt aber mal wieder der „Umwegeteufel“. Eine nicht eindeutige Beschilderung führt mich in ein auch in meinem Radführer angeführtes Militärübungsgelände, nur die Ausfahrt ist ganz woanders als erwartet. Dafür entschädigt die Natur pur bei ständig zu überwindenden tiefsandigen Panzerwege und Schießbahnen – aber heute wird nicht geschossen, auch nicht auf Hasen, die mir ständig begegnen. Endlich komme ich raus aus diesem Idyll, aber nicht im Hinterland, sondern am Deich. Weiter geht’s, nach 75 km erreiche ich den nächstgrößeren Ort im menschenleeren Friesland Uthuizen, wo ich mit 2 x Kaffee und Kuchen (in der holländischen Nationalfarbe orange – sehr lecker, schmeckt nach Orange) für die nächsten Kilometer stärke.
Kurz hinter Uthuizen treffe ich zwei ältere Damen und einen Herren aus Mönchengladbach, die mit dem gleichen Radführer wie ich ausgestattet sind und verzweifelt den ausgezeichneten Weg auf der Karte suchen. Ist nicht möglich, offenbar ist die Route nach Auflegung des Führers geändert worden. Da die Auszeichnung der Wegführung hier ausgezeichnet ist, erreiche ich ohne Problem den nächsten Ort Spijk um von dort nach Delzijl am Dollart bzw. an der Emsmündung zu kommen. Um zu erwartende Gegenwindstrecken auf den letzten 30 km bis zur deutschen Grenze weitgehend zu vermeiden, suche ich eine rückenwindorientierte Strecke durch weite Polder mit riesigen Getreidefeldern – leider wieder eine Niete, ich verfranse mich total und fahre dadurch bestimmt 10 km mehr als ausgewiesen und mind. 15 km gegen den zunehmenden Wind, der Tacho verharrt zeitweise unter 10 km/h. Super.
Endlich nach langer frustierender Irrfahrt und 135 km überfahre ich kurz hinter Nieuweschans gg. 15.00 Uhr die deutsche Grenze, nicht zu erkennen, aber im Radführer steht es so.

Donnerstag, 26. Juni 2008

3. Donnerstag 19. Juni 2008

Egmont Binnen - Holwerd - 165 km
Ich wache bei strahlend blauem Himmel auf, allerdings hat der Wind noch mehr zugenommen. Nach dem ordentlichen stay-o.k.-Frühstück mache ich mich kurz vor 9.00 Uhr auf den Weg nach Alkmaar. Es hat sich deutlich abgekühlt und die Windböen erfordern höchste Konzentration beim Fahren. Rücken- und rückwärtiger Seitenwind sind angenehm, aber wehe der Wind kommt von vorn, dann ist man ganz schnell im einstelligen Tempobereich.
Alkmaar ist schon schön, eben typisch holländisch, mit Kanälen und Grachten.

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Das Kaasmuseum ist noch nicht geöffnet, der Kaasmarkt findet nur am Freitagvormittag von Anfang April bis Anfang September statt.
Auf dem Weg aus der Stadt fängt es an zu regnen – Regenzeug raus. Es wird immer ungemütlicher. Wenn der Regen ins Gesicht schlägt, möchte ich am liebsten absteigen, ich sehe nichts mehr, die Brille ist beschlagen. Endlich nach 5 km Gegenregenstrecke habe ich den Wind und den Regen wieder im Rücken und die hollanduntypisch eher schlechten Radwegpassagen gehen wieder in eine Radautobahn über. Kurz vor Callantsoog wechsele ich vom Radfernweg LF 1 b, der vom Süden in den Norden Hollands verläuft, auf den Radfernweg LF 10 a, nun geht es von West nach Ost Richtung Ijsselmeer. Unterwegs treffe ich im Regen zwei junge Burschen aus München und Kattwijk, die in gut 10 Tagen nach Hamburg mit dem Rad von Kattwijk aus wollen. Die beiden zelten und sind für Regenfahrten nicht so richtig ausgerüstet, das Wasser stand den beiden in den Schuhen und bei einem dürfte die fehlende Regenjacke eine ordentliche Erkältung nach sich ziehen. Da ich mich für eine Variante ohne Gegenwind entscheide, trennen sich unsere Wege nach einigen Kilometern bei gegenseitig besten Wünschen.
Durch die Provinz Noord-Holland geht es über Hippolytushoef nach Den Oever und damit zum Afsluitdijk, der das Ijsselmeer von der Nordsee trennt. Kurz vor Den Oever hört es auf zu regnen, aber den Wind habe ich weiterhin im Rücken. Neben einer vierspurigen Autobahn gibt es die obligatorische „Radautobahn“. Die gut 30 km lange fasst schnurgerade Strecke schaffe ich in weniger als einer Stunde – und das ohne große Anstrengung, mich erfasst ein Hochgefühl – über Gegenwind möchte ich mir lieber keine Gedanken machen, da braucht man vermutlich 2 ½ bis 3 Stunden. Links der Deich, rechts das Ijsselmeer und die Autobahn. Am Anfang und am Ende des Deiches gibt es jeweils Schleusen, durch die Schiffe in das Ijsselmeer hinein oder hinaus fahren können. Zwischendurch gibt es zwei bei Beginn des Baus des Abschlussdeiches geschaffene künstliche Inseln, auf denen u.a. Raststätten (und ein Campingplatz) geschaffen wurden, auf den Zufahrten fährt man den Autos entgegen – das quasi auf der Autobahn – in Deutschland wohl undenkbar.
Vorbei an Zurich (nicht in der Schweiz) geht’s bei Seitenwind und ersten „Löchern“ in den Beinen Richtung Harlingen, neben Den Helder dem zweiten bedeutenden Fährhafen zu den westfriesischen Inseln Texel, Vlieland, Terschelling. Chaos am Fährhafen, Busse, Bahn, Autos und Fietsen, alle bringen Urlauber für die Inseln. Ein Holländer ohne Fietsen hat hier Seltenheitswert. Bei Milchkaffee und Apfelkuchen mit Sahne beobachte ich das Treiben in diesem Ameisenhaufen.
Nachdem ich mich ein wenig regeneriert habe geht es weiter Richtung Friesland, die Dünen sind wieder verschwunden, dafür gibt es Deiche, Deiche, Deiche, ein Polder folgt dem nächsten, Häuser haben seltenheitswert. Im Hinterland sind die Dörfer auf Warften erbaut, die Küstenlinie verlief früher sehr weit im heutigen Binnenland, das aber immer noch sturmflutgefährdet ist, daher auch die verschiedenen Deichlinien, die an der Küste direkt 9.00 m hoch sind.
Weites Land mit riesigen Getreidefeldern (Roggen, ab und an Weizen) und Grasflächen auf denen Schafe und Kühe und gelegentlich Pferde weiden.
Harlingen ist übrigens eine der elf Städte, die beim berühmten Eislaufmarathon über mehr als 200 km durchlaufen werden, Der „Elfstedentocht“ , der durch alle 11 Städte Frieslands führt, findet immer nur dann statt, wenn die Kanäle, Grachten und Flüssen mind. 15 cm zugefroren sind. Angesichts der zunehmend milderen Winter findet dieses Volksfest mit hunderttausenden an Zuschauern und tausenden von Teilnehmern nur noch sehr selten statt. Dafür gibt es aber den rd. 230 km langen Rad-Elfstedentocht durch Friesland, den man immer fahren kann, und das garantiert mit ordentlich Gegenwind auf großen Teilen der Strecke.
Da meine Kette Geräusche macht, kommt das Kettenöl und der Schraubenzieher zum Einsatz mit der Folge, daß ich die Kette auf den vorderen Kränzen nicht mehr schalten kann. Macht nix, ist ja flach, und die Schleifgeräusche sind passe.
Vorbei an so vielversprechenden Ortsnamen wie Sexbierum, Osterbierum, Tzummarum geht es nach Sint Jacobiparochie und weiter vorbei an Sint Annaparochie – alles kleine Dörfer – und dem Gasthaus Zwarte Haan (hab aber keinen Haan gesehen).
Weiter geht es durch die immer gleiche Landschaft auf oder neben Deichen zwischen Schafen und Kühen Richtung Weste, die Ortschilder tragen Namen wie ... Bildtdijk, Hallum, Marrum, Hogebeinturm, Blija und endlich Holwerd, den ich kurz vor 18.00 Uhr erreiche.
Der größte Ort an der Küste hier im (Niemands-)Land der Polder, Deiche und Schafe, zwei Hotels, beide ausgebucht, auf dem Campingplatz gibt es Hütten ausgebucht, aber Gott sei Dank hat der Betreiber noch einen Campingwagen, den er vermietet. Für 20 Euro habe ich eine Bleibe für die Nacht.

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Das Abendessen im Hotel lässt die Kräfte zurückkehren. Neben mir sitzen sechs Gastarbeiter am Tisch, aus Bulgarien, die offenbar in Friesland ihr Geld als Handwerker verdienen. Ohnehin fallen mir in Friesland sehr viele Autos mit Kennzeichen aus Ländern Osteuropas auf.Abends geht es Viertelfinale in einem der Hotels auf Großbildleinwand gucken, Deutschland – Portugal. Neben mir ist noch ein weiterer Deutscher dabei, der mir dann auch erzählt, warum die Hotels im Umkreis von mehr als 50 km ausgebucht sind: In Leeuwarden, der friesischen Hauptstadt, findet an diesem Wochenende eine große Flugschau statt, zu der mehr als 250.000 Zuschauer erwartet werden, die aus ganz Europa wohl anreisen. Das Spiel ist Klasse, ich bin der Liebling aller Holländer, da ich den Europameistertitel für Holland vorhersage im Endspiel gegen Deutschland. Ein sehr netter und fußballerisch erfolgreicher Abend, an dem ich auch noch das Motto von vier holländischen Radwanderern erfahre. Sie fahren immer immer dorthin wohin der Rückenwind sie treibt – klingt eigentlich vernünftig.
Die Nacht im Campingwagen ist kühl und der Weg zur Toilette nach diversen Bierchen beim Fußball immer sehr weit.
7 ½ Stunden im Sattel, UPM 56, Durchschnittgeschwindigkeit 22 km/h.

2. Mittwoch, 18. Juni 2008

Renesse – Egmont Binnen – 205 km
Ich wache auf und blicke in die Augen von Cleopatra auf, hab ich mich verfahren? - ach nein, das Wandbild. Extra für mich hat Francis das Frühstück ab 7.30 Uhr angerichtet (normal erst ab 9.00 Uhr) – muß dafür auf frisch selbstgebackenes Brot verzichten. Ich unterhalte mich mit Francis auf Englisch, bis sie sagt, daß sie sich doch ein wenig wundert, daß ich mit ihr Englisch spreche, schließlich sei Renesse eine deutsche Urlauberhochburg. Zum Abschied unterhalten wir uns auf Deutsch. Wenn ich Zeeland noch einmal besuche, werde ich sicherlich im `T-Diepe wieder übernachten, vielleicht im japanischen oder mexikanischen Zimmer.
Der Wind hat aufgefrischt und gedreht, er kommt von hinten. Dafür hat sich der Wolkenanteil erhöht, aber insgesamt ist es sehr angenehmes Wetter. Ich nehme meinen zweiten Radtag kurz nach 8.00 Uhr in Angriff.
Über den Grevelingen-Abschlussdamm des Rheinmündungsdeltas geht es von Zeeland in die Provinz Zuid-Holland um gleich wieder über ein das Haringvliet-Sperrwerk Richtung Rotterdam-Hafen zur rollen. Der Wind treibt mich vor sich her, Durchschnitt bei bis zu 27 km/h. Links und rechts weitgehend landwirtschaftlich genutzte Polderlandschaft, z.T. Gewächshäuser. Rozenburg ist durch Industrielandschaften geprägt.
An der Fähre von Rozenburg nach Maassluis über den Nieuwe Waterweg treffe ich einen Binnenschiffer aus der Nähe von Stuttgart., der mir vom Leben eines Rheinschiffers ein wenig erzählt. Vier Wochen auf dem Schiff arbeiten, vier Wochen frei. Am schlimmsten wären die Zeiten im Hafen, wenn man auf Ladung warte, dann sind entrosten, malen und was sonst noch so an Schiffspflegearbeiten anfällt, angesagt. Er pendelt seit Jahren zwischen den Häfen an der Rheinmündung und Basel auf dem Rhein und hofft sich in nicht allzu ferner Zukunft auf Hispaniola in der Dominikanischen Republik mit seiner aus Haiti stammenden Frau niederzulassen.
Rotterdam lasse ich rechts liegen (Innenstadt soll lt. Binnenschiffen sehr großzügig gebaut und schön sein) und kämpfe mich für gut 10 km gegen den Wind Richtung Hoek van Holland an der Nordsee. Links Seeschiffe, rechts Glaslandschaften (Gewächshäuser), kilometerweit. Ein Viereck zwischen Den Haag, Delft, Vlaardingen und Hoek van Holland ist fast vollständig von Gewächshäusern bedeckt, in denen vornehmlich Gemüse und Schnittblumen angebaut werden. Ist schon irre, wenn man kilometerweit neben sich nur Gewächshäuser mit Tomaten, Gurken oder Paprika sieht. Über Monster und Kijkduin erreiche ich Scheveningen, das bekannte Seebad, das mich überhaupt nicht anspricht. Ausnahme: Ein Straßenzug, in dem ich wohl einen Kilometer nur unter/an orangefarbigen Wimpelbändern/Flaggen und sonstigem Dekorationsmaterial durch/vorbei fahre. Es soll wohl Wettbewerbe zwischen einzelnen Straßen geben – Motto: Welche Straße ist oranger?

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Mich spricht ein Radler aus Mainz an – sind wir hier richtig? Er ist von Mainz den Rhein bis zur Mündung runtergefahren, nachdem er im Vorjahr wohl fast von der Rheinquelle bis Mainz gefahren war. Hat noch einige Tage Zeit und will jetzt weiter bis nach Friesland. War ein wenig frustriet, da er in den letzten zwei Tagen fünf Platten hatte – hatte offenbar seine Fahrradmäntel nicht rechtzeitig erneuert und bei den Fahrradschläuchen nicht auf den erlaubten maximalen Luftdruck geachtet. Toi, toi, toi, meine „unkaputtbaren“ Fahrradmäntel, deren Laufeigenschaften zwar etwas schlechter sind, haben mich bisher von solchen Maleschen verschont.
Ich biege von der Küste ab Richtung Den Haag, zunächst durch verschiedene großzügige Grünanlagen. Die Straßenzüge sind typisch holländisch mit den klassischen gestuften Friesengiebeln weitgehend in Backsteinmauerwerk. Die Innenstadt ist von Kirchen-, Museums- und den Regierungsbauten geprägt.

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Ich fahre durch einen weitläufigen Park Richtung Königlichem Schloss, dem Huis ten Bosch, das von einem Wassergraben, einem hohen Sicherungszaun und hohem Baumbestand umgeben ist. Den Haag lohnt einen weiteren Besuch. Ein Foto vom Schloss,

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die Sicherungsbeamten treten geübt aus dem Bild, und es geht zurück an die Nordseeküste, wo nunmehr nach vorher Deichen jetzt eine Dünenlandschaft folgt
Die Radwege verwandeln sich in eine Art „Radautobahn“, zweispurig, jede Richtung 2 m breit und in der Mitte eine weiße durchgehende oder unterbrochene Linie.

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Bei Rückenwind braucht man kaum noch treten, allerdings geht es ständig leicht rauf und runter, links der Dünenwall zur Küste, rechts die Dünenlandschaft – sehr entspannendes Radfahren. In Katwijk aan Zee gönne ich mir ein Fischbrötchen, EUR 4,00, satter Preis (in Ostfriesland kostet es später nicht einmal die Hälfte). Hier überquere ich die ehemalige Rheinmündung (Oude Rijn) – kaum zu glauben, das dieses kleine Flüsschen einmal die Rheinmündung gewesen sein soll. Typischer Badeort, dem weitere folgen, Noordwijk aan Zee und Zandvoort.
Zwischen diesen beiden Badeorten könnte man zum Keukenhof, dort wo die Tulpen, Hyanzinthen und Narzissen spriessen abbiegen, was ich mir erspare, da die Blüte schon vor Wochen zu Ende gegangen ist, oder zum holländischen Raumfahrt-zentrum (SPACE Expo), wo die Ariane-Raketen, Teile des Spacelabs für die ISS-Raumstation und Raumsonden mit entwickelt wurden, abbiegen. Ich will aber Kilometer fressem, daher geht es weiter vorbei an Bloemendaal, dem holländischen Hockeyzentrum durch die Dünen-/Kiefernwaldlandschaft mit sehr mäßiger Beschilderung nach Ijmuilden/Velsen-Zuid zur Überquerung des Noordzee-Kanaals, durch den Amsterdams Hafen im Hinterland auch für Seeschiffe erreichbar ist. Dank der mauen Beschildung verfahre ich mich kräftig. Eine nette Holländerin erklärt mir den Weg zur Fähre, leider nicht über den Noordzeekanaal, sondern nach Newcastle, die in ca 45. Minuten fährt. Als sie mich ein zweites Mal sieht, will sie mir noch mal den Weg erklären, bis ich ihr klar gemacht habe, daß ich nicht nach Newcastle sondern nach Velsen-Noord will, dauert es ein wenig, aber schließlich habe ich meinen Standort auf der Karte identifiziert und hätte die richtige Fähre auch ohne die hilfreiche Dame gefunden.
Vorbei an Hochöfen und Stahlfabriken geht es weiter in das nächste Dünengebiet, eines heißt Russenbergen, wusste gar nicht, daß die schon mal an der holländischen Küste waren – na hat wohl ne andere Bedeutung.
Nach vielen Dünenautobahnkilometern suche ich den Abzweig Richtung Egmont Binnen und stoße fast mit frei laufenden kollosalen Wildrindern mit zotteligem braunen Fell und imposanten Hörnern zusammen.

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Gott sei Dank reagieren sie nicht auf den „Kollegen“ mit orangefarbenen Gepäcktaschen und rotem Windbreaker. Vorsichtig rolle ich vorbei. Später treffe ich noch auf diverse andere „Kollegen“ dieser gewaltigen Tiere, die sich aber nur für das Fressen von Gras und Blättern interessieren.
Nun glaub ich den Abzweig nach Egmont Binnen gefunden zu haben – Jeugdherberg. Statt Seiten- habe ich aber Gegenwind, 4 km – komisch. Ich finde auch die Jugendherberge, ist aber die falsche und voll. Nochmals 8 km mit Rückenwind u.a. an herrlichen Blumenfeldern

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vorbei erreiche ich das Stay ok-youth hostel Egmont Binnen kurz nach 19.00 Uhr und ein Bett ist auch frei. Junge Mitarbeiter, gut drauf, nette Atmosphäre, Abendessen erhalte ich auch noch und das Bier schmeckt auch.
Heute war ich 8 1/2 Stunden im Sattel, im Schnitt 24,1 km/h und 57 UPM, max. 43 km/h.

Dienstag, 24. Juni 2008

1. Dienstag - 17. Juni 2008

Holland – Provinz Zeeland – 78 km
Das Bild ändert sich total – zum Positiven. Alles ist Grün, die Häuser sind in die Landschaft eingepasst. Alles wirkt harmonisch und gepflegt. Da Holland ja weitgehend unterhalb des Meeresspiegels liegt, sind die Küsten von Deichen, Sperrwerken und Dämmen geprägt, denen hier teilweise weitläufige Strände vorgelagert sind.
Man begegnet vielen Fietsern (Radlern) auf durchweg guten bis sehr guten Fietspads (Radwegen).
Die Überquerung der Westerschelde (u.a. Zufahrt zum Hafen von Antwerpen in Belgien) erfolgt per Fähre von Breskens nach Vlissingen. Während der Überfahrt unterhalte ich mich mit einem Schiffslotsen der in Belgien wohnt und auf dem Weg zur Arbeit in Vlissingen bzw. auf einem der Lotsenschiffe ist. Seine Schicht dauert 6 Tage. Seine Aufgabe ist die Begleitung der Schiffe auf den Weg von der Nordsee in die Westerschelde bzw. zurück. Zwei bis vier Schiffe täglich lotst er rein oder raus – offenbar bis weit in die Nordsee, da der Küste offenbar ähnlich wie an der Elbmündung riesige Sandbänke (the Flandernbanks) vorgelagert sind. Wie in Deutschland haben auch die Lotsen in Holland Nachwuchssorgen, da immer weniger Leute zur See fahren wollen und insofern die Zahl der Kapitäne und Offiziere auf „Großer Fahrt“ ständig abnimmt und damit der „Nachwuchs“ für die Lotsenschaft, wenn es diese von der Weite der Ozeane an Land zieht, allmählich ausstirbt. Langfristig werden wohl Asiaten (insbesondere Chinesen) weltweit die Schiffsführungen übernehmen. Der Lotse berichtete noch von einem nordkoreanischen Schiff, das er in die Westerschelde hinein zu lotsen hatte. Das Schiff in einem desolaten Zustand, keine Ladung. Der Kapitän in einer zerfledderten Uniform, barfuß, dafür aber mit einem erstklassigen Bild des nordkoreanischen Diktators auf der Brücke. Des englischen war er ebenfalls kaum mächtig.
Von Vlissingen (die Stadt soll lt. Lotsen sehr schön sein) geht es entlang eines der typischen holländischen Wasserwege mit Baumbestand an beiden Seiten auf eigenständigem, von der Strasse abgeschirmten Radweg nach Middelburg. Eine mittelgroße Stadt, mit herrlichen alten, typisch holländischen Häusern, durchzogen von Kanälen, in denen fast überall Segelschiffe und Yachten ankern. Auf dem Weg zum ersten kleineren Damm zwischen Nordsee und einem Mündungsarm des Rheins komme ich durch das alte Städtchen Veere (Ortsnamen schon mal gehört? Ich nicht.), das mich in jeder Hinsicht begeistert.

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Ich muß weiter, so daß ich hier nicht verweile, aber ich komme wieder in einem Urlaub ohne Fahrrad.
Kurz vor dem riesigen ca. 7 km langen Oosterschelde-Sperrwerk

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komme ich durch einen Ort der niederländischen Fußballfreude. Eine Orgie in Orange, Fahnen, Wimpel, Trikots, Taschen (offenbar das Zeichen, daß man den Gegner in die Tasche steckt) hängen an Häuser, in Gärten, über die Straßen, ein Wohnwagen ist orange gestrichen.
Endlich erreiche ich meinen Zielort Renesse kurz nach 19.00 Uhr. In der ersten Pension ‚’T-Diepe sind Kamers fri. Bei Francis Krakeel, so heißt die Inhaberin bekomme ich ein Zimmer in Ägypten. Jedes ihrer neun Zimmer ist einem Land oder Kontinent gewidmet. So sind Cesär und Cleopatra als Wandmalerei zu sehen, Pyramiden, Wüstendünen und –schiffe schmücken den Übergang von der Wand zur Dachschräge und ägyptische Skulpturen schmücken den Raum. Sehr ansprechend.

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Am Abend spielt Holland gg. Rumänien. Im Ortszentrum ist alles Orange, nur die Stimmung kommt nicht so recht auf, da das Spiel eher müde ist und Holland mit der B-Elf spielt. Dafür sind die Bierpreise um so höher, 0,5 l Heineken für EUR 5,00 – deftig.
Zum Schluß die technischen Daten, 150 km, 17,6 km/h, 53 Pedalumdrehungen pro Minute, knapp 8 Std. 30 Minuten im Sattel.

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